Viertelanschluss

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Der Viertelanschluss - Ein österreichisches Spezifikum

Da die Nachfrage nach Telefonanschlüssen die technischen Möglichkeiten bei weitem überstieg, wurden vor allem in Ballungszentren die so genannten Gesellschaftsanschlüsse eingeführt – im Volksmund „Viertelanschluss“ genannt. Wobei diese Verall¬gemeinerung nicht ganz richtig ist: im Raum Linz gab es sogar „Achtelanschlüsse“, in ländlichen Gebieten den „Zweier-Anschluss“.


Ein heute liebenswerter Anachronismus, der allerdings damals viele Gemüter erhitzte und nicht selten zu Auseinandersetzungen unter Nachbarn führte ...


Bitte warten, der Nachbar spricht gerade


Grundsätzlich war die Einführung der Gesellschaftsanschlüsse eine begrüßenswerte Initiative, um mit bestehenden Ressourcen, insbesondere in den schweren Zeiten des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, möglichst schnell alle Haushalte mit einem Telefonanschluss zu versorgen. In der Praxis freilich funktionierte ein Viertelanschluss nur dann zur Zufriedenheit aller Teilnehmer, wenn kein „Dauertelefonierer“ dabei war. Denn solange einer die Leitung besetzt hielt, hatten die anderen Drei das Nachsehen.


Österreich ist anders


Der Viertelanschluss als eine rein österreichische Entwicklung ist heute nur noch ein denkwürdiges Detail der heimischen Fernmeldegeschichte. Viele Menschen erinnern sich dennoch gerne an das typische Klicken im Beikasten, wenn man nach längerem Tastendruck erfolgreich das Amt erreichte. Und natürlich an den aufkommenden Groll, wenn trotz mehrmaliger Versuche keine freie Leitung zu bekommen war.

1986, am Beginn der Digitalisierung, gab es in Österreich noch rund 1,5 Millionen Gemeinschaftsanschlüsse. Das waren 56,3 % aller an das Festnetz angeschalteten Teilnehmer. Noch 1993 mussten 885.000 Teilnehmer auf ihren Einzelanschluss warten.

In den folgenden vier Jahren wurden die Vierteltelefone aber massiv abgebaut. 1997 gab es gerade noch 67.000, die sich ihre Anschlussleitung mit anderen teilen mussten. Am Weihnachtstag 1999 ging mit der Umschaltung der letzten analogen Teilnehmer auf das neue, digitale Telefonsystem OES auch die Ära der Vierteltelefone für immer zu Ende.